Ein Zimmer im Ritz 16.08.2010 - WIESBADEN

Von Ingeborg Toth

IMPULSTHEATER Aufführung im ehemaligen Weingut der Stadt
Der berühmte erste Satz: „Bei Tagesanbruch steht sie auf.“ So beginnt die Hörspielfassung des Romans „Femme du monde“ von Didier Goupil, dem französischen Autor, Dramaturgen und Drehbuchschreiber des Jahrgangs 1963. Madame, die bei Goupil namenlos bleibt, ist so alt wie das Jahrhundert, am 1. Januar 1900 geboren. Im Jahr 2000 lebt sie im Ritz. Im kleinsten Zimmer des Luxushotels an der Place Vendôme. Mit sparsam gesetzten Worten und der Rhythmisierung des Textes gelingt es Goupil, ein Leben zu zeichnen, wie es in seiner ganzen Tragik nur im 20. Jahrhundert stattfinden konnte. Es ist das Verdienst des Impulstheaters, das Leben von Madame auf die Bühne des Sommertheaters im ehemaligen Weingut der Stadt Wiesbaden gebracht zu haben. Als letzte Vorstellung der diesjährigen Reihe.
Es steht nur eine einzige Schauspielerin auf der Bühne, Susanne Schwarz. Das Gewicht der Worte und wie sie mit der bruchstückhaften Art des Textes umgeht, trägt die Inszenierung von Christiane Zerda mühelos über eineinhalb Stunden - vom ersten bis zum letzten Satz.
Ein sorgloses Leben einer mondänen alten Dame, die von ihrem Zimmer im Ritz auf die Vendômesäule schaut? Sorglos war die Jugend von Madame, sie reiste durch die Welt, studierte in Italien, und mit 27 heiratete sie Monsieur. Danach war es mit der Sorglosigkeit vorbei. Monsieur war ein Scheusal, entwickelte sich zum Faschisten und Kollaborateur. Madame floh in ihr eigenes Leben, ließ sich von Avantgarde-Künstlern malen, kaufte ihre Bilder, um sie vor den Nazis zu retten.
Das wurde ihr zum Verhängnis. So wie die von den Besatzern gestohlenen Kunstwerke per Zug nach Osten transportiert wurden, so landete auch sie in einem Zug in Richtung Konzentrationslager. Seitdem ist sie namenslos. Nach dem Krieg trifft sie in New York Peggy Guggenheim. In ihrer Galerie begegnet sie der Malerei des Russen Mark Rothko. Der Maler, der sich später das Leben nimmt, weckt mit seiner ganz anderen Auffassung von Farbe Madames Lebensmut. Sie kehrt, recht wohlhabend, nach Paris zurück. Im Ritz stopfte sie ihr Zimmer mit Büchern und Kissen voll, so berichtet Goupil in diesem packenden Frauenporträt.
Damit sich der Zuschauer ein Bild von Madame machen kann, stehen zahlreiche Staffeleien auf der Bühne. Jede trägt ein Porträt von Madame - großformatige Bilder, die Ulrike Guminski-Reimann gemalt hat.
Dieses Sommertheater-Stück mit einem Vorprogramm von Voice-Guitar hat genau die richtige Länge für die Bühne auf dem Neroberg. Hier sind, so lehrt die Erfahrung dieser Saison, Pausen nicht angebracht. Sie vertreiben das Publikum, zumal es dreihundert Meter über der Innenstadt am Waldrand rasch kühl werden kann. Schade, dass dem letzten Theaterabend so wenig Publikum beschieden war. „Endstation Ritz“ hätte mehr Beachtung verdient gehabt.

Henri Michaux, Im Lande der Magie

Theater am gedeckten Tisch

Wiesbadener Tagblatt
08.08.2008
Von Anja Baumgardt - Pietsch

Die Heimat der Trauerleger

Susanne Schwarz, Wolfgang Schliemann und Michaux’s „Im Land der Magie“

Meeresrauschen auf dem Neroberg. Während es langsam dunkel wird und die Fledermäuse um die Baumwipfel flitzen, hören die Zuschauer im Weingut tatsächlich Meereswellen in rhythmischer Folge an einen Strand schlagen. Fehlt nur noch Möwengeschrei – aber an Geräuschkulisse hatte der poetische Abend beim Sommertheater noch viel mehr zu bieten. Geboten wurde eine „Lesung am gedeckten Tisch“ von Susanne Schwarz, akustisch unterstützt vom Perkussionisten Wolfgang Schliemann.

Das Meeresrauschen sollte die Zuschauer mit auf die kleinen Eilande des „Landes der Magie“ nehmen. Dies ist eine Schöpfung des surrealistischen Dichters Henri Michaux (1899 – 1984). Das Werk des exzentrischen Poeten ist hierzulande nicht sehr bekannt, ist sperrig und eigenartig. Susanne Schwarz und Wolfgang Schliemann wählten eine sinnliche Annäherung und lagen damit genau richtig. Das „Land der Magie“ wurde auf dem „gedeckten Tisch“ symbolisiert durch ein Häuflein Sand, in den die Rezitatorin immer wieder neue Kleinigkeiten steckte – Steine, Muscheln, brennende Streichhölzer – und somit den Augen diskrete Anregungen bot. Die Ohren bekamen von Wolfgang Schliemann schier unlösbare Aufgaben gestellt. Was er aus seinem Koffer holte, waren viele Alltagsgegenstände aus Küche, Keller und Werkzeugkasten. Und welch einzigartigen Geräusche er damit erzeugte, vollkommen ohne Einsatz jedweder Elektronik, verblüffte enorm.

Während Susanne Schwarz die seltsamen Bewohner des imaginären Landes schilderte, die von Beruf „Trauerleger“ oder „Wasserschäfer“ sind, die „unsichtbare Hauptstadt“ verhüllt von drei verschiedenen Nebelarten, oder die auf Befehl herabregnenden Wolken, improvisierte Schliemann ein bisher ungehörtes Geräusch nach dem anderen. Da konnte man die Phantasie bemühen und sich vorstellen, wie wohl die imaginäre Gedankensperre aussehen möge, die um das Land herumgezogen ist, die ins Nichts führenden Treppen, die durch Ansammlungen schlechter Gefühle plötzlich zu Staub zerfallenden Dörfer oder die Schlangenkronen, die fortgeschrittene Magier auszeichnen.

Eine eigene Welt voller überbordender Einfälle erschuf Henri Michaux, und das Duo Schliemann/Schwarz hat sie hier absolut kongenial in Szene gesetzt.

Wiesbadener Tagblatt
01.10.2007
Von Gabriele Gilbert

Zutrauliches Wasser

Lesung Marion Gerlach und Susanne Schwarz

…Mit ironischen Blick streift Michaux über eine Erde, die uns bekannt vorkommen könnte, entschlössen wir uns, einmal innerlich Abstand zu nehmen. Neugierigen Blicks nimmt der Reisende sich ganz alter Bräuche an. Wie einer, der aus weiter Ferne kommt, sieht er und deutet er die uns vielleicht allzu vertrauten Dinge auf seine besondere Weise. Der Zuschauer kommt in den Genuss, die Erscheinungen einmal ganz anders auf sich wirken zu lassen.
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Von Susanne Schwarz inszeniert, entpuppt sich das Gewölbe als eine surreale Spielstätte. In liebevoll gestalteter Dekoration entfaltet sich die unglaubliche Reisegeschichte. Dialogisch von Marion Gerlach und Susanne Schwarz gelesen, spiegelt sich in dem Gemäuer für die Anwesenden Michaux’s Welt wieder. Es sind ja immer nur wenige, die sich auf Expedition zu gehen trauen und dabei riskieren, jenseits der Funktionalität auf der Inselgruppe zu stranden, auf der Lachen und Redseligkeit gleichermaßen „das Reservoire der Zauberkräfte ausrinnen lassen“. Jene, denen sich die Chance bietet, sollten sie das nächste Mal nicht verstreichen lassen.

Roland Schimmelpfennig

Vor langer Zeit im Mai

Wiesbadener Kurier
11.04.2008
Von Gabriele Gilbert

EXTRA - Lokale Kultur
Gescheitertes Liebesglück in 81 Szenen

ImpulsTheater von Susanne Schwarz zeigt neue Produktion
„Vor langer Zeit im Mai“

„Theater kann mit einfachen Mitteln begeistern und fesseln.“ Davon ist die Regisseurin Susanne Schwarz überzeugt. Diese Philosophie ist auch das Besondere an dem Theater der gebürtigen Nürnbergerin, die seit 2001 in Wiesbaden lebt und arbeitet. Folgerichtig kommen ihre Produktionen mit wenigen Dingen aus und bestechen durch ihre Einfachheit. Das zeigt zum Beispiel das aktuelle Stück „Vor langer Zeit im Mai“ von Roland Schimmelpfennig. … Susanne Schwarz verzichtet hier auf wirkliche Scaupieler und lässt Kartonfiguren agieren, die von der Bühnen- und Kostümbildnerin Sonja Welp gebaut wurden. Schwarz bewegt diese durch den Raum und ordnet sie zu Bildern, die Schimmelpfennigs Stück in 81 Szenen vorgibt.
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100 Jahre Samuel Beckett

Tritte, Rockaby und mehr - ein Beckett-Abend

Wiesbadener Kurier
23.12.2006
Von Anja Baumgardt - Pietsch

Amtsstube wird zur Theaterbühne

Im Alten Zollhaus werden Beckett-Einakter aufgeführt

Ein ganz ungewohnter Ort für Theater, aber höchst passend und unerwartet intim: Das alte Zollamt am Biebricher Rheinufer. Es steht momentan kultureller Nutzung offen, Konzerte und Theater finden dort statt.

Die Künstler geben derzeit den Ton im Alten Zollamt am. "Leider weiß man noch nicht genau, wie lange", bedauert Susanne Schwarz, Leiterin des "Impuls-Theaters", einer freien Gruppe, die an mehreren Abenden in den verwaisten Amtsstuben und -fluren einen ganz und gar ungewöhnlichen Abend für maximal dreißig Zuschauer mit vier Beckett-Einaktern spielt.

Der irische Schriftsteller, dessen Geburtstag sich 2006 zum einhundertsten Mal jährt, macht die Suche nach dem Sinn menschlicher Existenz zum zentralen Thema seiner Werke. Die momentaufnahmenartigen Einakter wurden von Susanne Schwarz klug kombiniert und verlangen den Zuschauern einiges Engagement ab, reines Konsumieren ist hier keineswegs angesagt.

Zwei Clowns mit tragikomisch-freundlicher Präsenz (Margarita Swedrzynsnka und Geoffrey Steinherz alias "Mechthild und Gottfried") holen das neugierige Publikum an der "Geldeinnahmestelle", wie ein vergessenes Schild der Zollbeamten verkündete, ab und führen es an die verschiedenen Schauplätze der Stücke: Zuerst in einen klaustrophobisch plastikverkleideten Raum, wo die Zuschauer die destruktiv-symbiotische Beziehung zwischen Mutter und Tochter in "Tritte" erleben. Marion Gerlach, mit erschöpften Ringen unter den Augen durchmisst den Raum mit knallenden Absätzen, während die Stimme von Christiane Zerda aus dem "Off" über die Tochter sinniert, die nicht aufhören kann, durch das Haus zu schreiten, zwanghaft das Geräusch ihrer Füße hören muss. Beklemmend, aus nächster Nähe mit anzusehen, wie sich hier zwei Frauen in merkwürdiger Allianz gegenseitig zerstören, nur angedeutet durch Becketts Dialoge.

Fast ist man dankbar, nach einer halben Stunde vom Clownspärchen nach nebenan geholt zu werden, wo die grandiose Christiane Zerda, mittlerweile über 90 Jahre alt, einen Text aus den "Texten um Nichts" liest. Auch hier das Leitmotiv: Was ist der Sinn der Existenz? Hat das Individuum eine Geschichte oder reicht es aus, "zu atmen und zu leben"?

Beckett beantwortet die Frage nicht, Christiane Zerda vollzieht die komplizierten Gedankengänge bedrängend intensiv, doch stets mit feinem Lächeln. Von eben jenem Text lässt sich die Tänzerin Karoline Röhr zum dritten Programmpunkt des Abends inspirieren, "Wohin ginge ich, wenn ich gehen könnte", so ein Zitat aus dem vorausgegangenen Monolog. In fast quälend langsamen Bewegungen ver- und enthüllt die Tänzerin ihren zierlichen Körper, schreitet den Zuhörern im Flur entgegen, verbirgt und zeigt ihr Gesicht und entfernt sich schließlich wie ein Engel ins grelle Licht am Ende des Flurs.

Auch aus dieser meditativen Stimmung holen die Clowns, klug von Susanne Schwarz eingesetzt, die Zuhörer heraus - in einem anderen Raum zitieren sie das kürzeste Theaterstück der Weltliteratur, Becketts "Atem" - 35 Sekunden Atem und ein Schrei. Zum Schluss kann Christiane Zerda das Publikum noch einmal mit ihrer Präsenz in den Bann ziehen, als sie in "Rockaby" die alte Dame spielt, die "in ihrem schönsten Schwarz", enttäuscht vom Leben und ihren Mitmenschen, die sie nie erreichen konnte, im Schaukelstuhl das Ende nahen spürt. Im Halbdunkel, umgeben von Spiegeln, fesselt die Mimin das gebannte Auditorium mit der Intensität ihrer Darstellung und erhält viel Beifall.
Susanne Schwarz, die ihre Schauspieler gerne an ungewöhnlichen Orten wie zum Beispiel auch in Treppenhäusern agieren lässt, hat einen originellen Abend für das Alte Zollamt maßgeschneidert.

Georg Büchner

Lenz

Wiesbadener Tagblatt, Mainzer Allgemeine Zeitung
10. März 2005
Von Andrea Springer

Bruch der geregelten Ordnung
Es wird Zeit für den“ Lenz“. Gewisse Themen liegen in der Luft. Nicht erst im Frühling bricht die Liebe auf. Es drängt auch das Anderssein, die Abweichung von der Norm und die Einsamkeit nach Darstellung. Ganz greifbar wird Georg Büchners Figur, in der sich „der harte Zusammenbruch des Männlichen vollzieht“, durch Armin Nufer. …
Nicht psychologisierend geht Schwarz ihre Inszenierung an, will sie doch auf die Seelenverwandtschaft der Figur mit dem Zuschauer hinaus. Dieser Lenz soll kein Einzelschicksal lebendig werden lassen, sondern exemplarisch wirken, weil er dem Zuschauer die Möglichkeit bietet, über sich zu reflektieren.
….

Wiesbadener Tagblatt, Mainzer Allgemeine Zeitung
7. April 2005
Von Andrea Springer

Mit gesprungenem Herzen durchs Leben

Stille liegt über dem Bühnenraum des Theaters an der Adelheidstrasse. Quälend still liegt die Landschaft ausgebreitet. Am Ende der Stille stehen sperrig, Metaphern einer felsigen Natur: Leitern. So einfach wie eindringlich hat Titus Grab das Bühnenbild für die Aufführung des ImpulsTheaters von Georg Büchners „Lenz“ gestaltet. Nichts, was von der Gewalt des Textes ablenkte, stört die Inszenierung von Susanne Schwarz.

Auf dem Bühnenboden verweist das Puzzle einer Landschaft auf den Ort der Handlung: Das Außen und das Innen. Es zeigt einen Landstrich auf einer Karte. Zugleich aber macht es das Zerstückeltsein der Person fassbar. Die Leitern markieren das Gebirge in und um Lenz, durch das der Verzweifelte stolpert. Kein Vorhang, der zu ziehen wäre. Keine Abgrenzung zwischen dem Zuschauerraum und der Bühne. Längs zum Spielort ragen beidseitig Tribünen empor, auf denen die ganz von der Erwartung des „Spiels“ gefangen Genommenen es nicht wagen, die Ruhe des Tales zu stören.
Da springt Nufer hinein in den Text, der sich sogleich um die wenigen Tage im Leben des Lenz verdichtet. In Wellen, in hinausdrängenden Schüben, lässt Nufer den Text in sich zur Entfaltung kommen und untermalt ihn vorsichtig und sparsam…

Ohne die selbstverliebte Attitude des Schauspielers und, ebenso schlicht, mit einem Anzug und Paletot (Kostüm: Suse Kuehnhold) bekleidet, versetzt sich Nufer in den in seine Gefühlswelt Verstrickten hinein, lässt die doch so ganz persönliche Emotion allgemein erlebbar werden. Die Topographie des Geistes zu enthüllen, wirft er sich mit ganzer Kraft in die Persönlichkeit, der „Zentnerschwer das Schicksal eines Frauenzimmers auf dem Herzen liegt.“ In aller Einfachheit, ganz auf Nufers Darstellung zugeschnitten, irritiert nur einmal kurz eine weibliche Stimme aus dem Off, die einen Part der Erzählung übernimmt – doch damit die Gespaltenheit des Geistes anzudeuten vermag.
(...)
Mit gesprungenem Herzen tastet sich „Lenz“ fortan durch das eigene Leben.
Erzählend, ringt er mit sich und spricht von diesem Dasein, das ihm zur Last wurde. Derart intensiv, dass es in der eigenen Brust zieht, spürt Nufer diesem Dichter des Sturm und Drang nach.

Didier Goupil

Endstation Ritz /frz. Femme du Monde

26.10. 2009 Madames Jahrhundert
von Anne Winkel
Deutsche Erstaufführung von Didier Goupils "Endstation Ritz"
in der Walkmühle

Heiß muss ihr Tee sein. Heiß auch das Badewasser, in dem sie Morgen für Morgen versinkt. Madame hat sich entschlossen, ihren Lebensabend im Hotel Ritz zu verbringen. Susanne Schwarz vom Wiesbadener Impulstheater erzählt jetzt in einer Deutschland-Premiere von jener alten Dame, die Didier Goupil in seinem Stück "Endstation Ritz" beschreibt...
Nach und nach erfährt das Publikum, warum Madame jeden Tag tut, was sie tut. Wie sie Monsieur kennen lernte und dadurch überhaupt erst zu Madame wurde. Welche Künstler sie schon als kleines Mädchen porträtierten und wie sie selbst als Erwachsene die Nähe zur Kunst suchte. Vor Kälte wäre Madame einst fast gestorben. Vor Gefühlskälte.
Geboren ist Madame in der ersten Stunde des 1. Januars 1900. Ebenso alt wie das Jahrhundert erlebte sie dessen entmenschlichende Historie am eigenen Leib. Gebrochen von der Gewalt der Nationalsozialisten, gibt es für Madame nach dem Zweiten Weltkrieg nur eine Möglichkeit zum Überleben: die bildende Kunst.
"Endstation Ritz" stellt keine Theaterinszenierung im üblichen Sinn dar. Als klassisches Erzähltheater baut Goupils Stück ganz auf die Kraft der Sprache. ...
Die Dramatik der Geschichte braucht keine überladene Inszenierung, die von Susanne Schwarz in Kooperation mit der 1913 geborenen Christiane Zerda entwickelt wurde. Das gesprochene Wort erhält viel Raum, um sich in den Köpfen der Theaterbesucher zu entfalten. "Madame ist so alt wie das Jahrhundert. Aber Madame misst dieser Art von Leistung keinerlei Bedeutung bei." Die Zuschauer in der Walkmühle werden diese Leistung durchaus zu würdigen wissen.

Frankfurter Rundschau
25. November 2003

...Michaux's Text in einer Umgebung, die so gar nicht zum Träumen
verleiten will: Ein paar spärliche Requisiten liegen auf dem Boden der
modernen KFZ-Halle der Wiesbadener Verkehrsgesellschaft. Doch trotz dieses
rauhen Ambientes gelingt es der Inszenierung, den Zuschauer in eine andere
Welt zu entführen - während draußen auf dem Hof die Busse vorbeifahren. Ganz
allein nimmt Marion Gerlach den Zuschauer an die Hand, um ihn in das Land
der Emanglonen und Omobulen zu entführen. Diese wundersame Welt erschließt
sich Gerlach mit einem leisen, charmanten Erzähltheater...

Versuchsreihe: Treppen / Tales from a stairwell

Theater in Mainzer und Wiesbadener Treppenhäusern

Mainzer Rheinzeitung
9. Dezember 2002

… Der Einsatz von Licht, Fotografie, Musik, Geräuschen und Gerüchen macht die Performance zu einem synästhetischen, künstlerisch wie philosophisch vielschichtig reflektierten Erlebnis … witzige Überraschungsmomente lassen in diesem Gesamtkunstwerk scheinbar Alltägliches zu philosophisch Gehaltvollem werden.
Und Marion Gerlach ist selbst im Schlaf noch so überzeugend, dass man ihr gerne dabei zusieht.

Frankfurter Rundschau
14. November 2002

Die meisten Zuschauer werden zugeben, dass sie Treppen zuvor völlig unterschätzt hatten. Treppensteigen wird nicht mehr sein wie vorher. Mehr kann ein Theaterabend über Treppen nicht erreichen.

Wiesbadener Tagblatt
26. Oktober 2002

Lebendiges Haus
… immer wieder lässt Regisseurin Susanne Schwarz die Zuschauer in einen Tagtraum entgleiten, während auf der Bühnen eine Verbindung zwischen Mensch und Materie, Zukunft und Vergangenheit geschaffen wird … Es folgt ein Rundgang durch das Rathaus, das in einem ganz anderen Licht erscheint. Die begeisterte Menge wandelt durch die Gänge, vorbei an atemberaubenden Diaprojektionen …

Samuel Beckett, "Rockaby"

mit Christiane Zerda

Wiesbadener Kurier
17. Dezember 2005
Von Andrea Springer
Die Sinnfrage wird am Ende eines langen Tages gestellt
(...)
Kalkig grau, bietet das Backsteingemäuer einen wunderbaren Rahmen für gerade dieses Stück des in Dublin geborenen Dramatikers. Ebenso simpel wie perfekt gestaltete Suse Kuehnhold die Kulisse für den Monolog der Alten Dame und die Auseinandersetzung mit der Aussichtslosigkeit, „ eine andere, lebende Seele“ zu erreichen.

Ruhige Stimmung
Zwischen Spiegeln, die den Widerschein des bedachtsam gesetzten Lichts auffangen, streut Christiane Zerda, ..., weiter drängend den letzten, mühseligen Hoffnungsschimmer auf eine Möglichkeit, eine andere Seele zu erblicken, aus. Ruhig fließen die Sentenzen aus dem Off, in einander verschachtelt, stetig einen immer weiteren Kreis der Hoffnungslosigkeit in den Staub zeichnend. Leicht wippend findet die 92-jährige Mimin sichtlich Gefallen daran, ihrem Publikum so en passant die tiefgreifenden Konsequenzen auf den Pelz zu brennen.
(...)

Henri Michaux

Reise nach Gross-Garabannien

Frankfurter Rundschau
25. November 2003
Von Jens Holst
Auf zu den Emanglonen
Das Wiesbadener ImpulsTheater reist mit Henri Michaux wundersam nach Groß-Garabannien
….
Michaux's Text in einer Umgebung, die so gar nicht zum Träumen
verleiten will: Ein paar spärliche Requisiten liegen auf dem Boden der
modernen KFZ-Halle der Wiesbadener Verkehrsgesellschaft. Doch trotz dieses
rauhen Ambientes gelingt es der Inszenierung, den Zuschauer in eine andere
Welt zu entführen - während draußen auf dem Hof die Busse vorbeifahren.
Ganz allein nimmt Marion Gerlach den Zuschauer an die Hand, um ihn in das Land
der Emanglonen und Omobulen zu entführen. Diese wundersame Welt erschließt
sich Gerlach mit einem leisen, charmanten Erzähltheater, das zusätzlich von den asiatisch inspirierten Rhythmen gehalten wird, die Uwe Oberg komponiert hat.
Nur auf den feinsinnigen Humor dieses Textes will sich die Inszenierung nicht verlassen. Kleine szenische Miniaturen ordnet Regisseurin Schwarz ihrem Trip durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf der Bühne zu; Bilder die sich mal konkret, mal abstrakt von Henri Michaux’s Schilderungen inspirieren lassen.
Währendessen geht draußen vor der Halle ein Busfahrer vorbei und schaut verwundert au die ferne und doch ganz alltägliche Welt, die sich beim Blick durch das Fenster öffnet.