Endstation Ritz

von Didier Goupil

Programmheft

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( Frz. : « Femme du Monde »)

Übersetzung: Ines Schütz

DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG
in Kooperation mit
Maison de France à Mayence /
Institut Francais Mainz und dem Künstlerverein Walkmühle
www.walkmühle.net (Wegbeschreibung hier)

gespielt und erzählt von Susanne Schwarz

Inszenierung:
Susanne Schwarz und Christiane Zerda
Malerei: Ulrike-Guminski-Reimann

Wer ist „Madame“?
Extravagant und kapriziös,
so alt wie das Jahrhundert und immer anonym …

Premiere: Sa 24. Oktober 2009

Künstlerverein Walkmühle, Walkmühle Wiesbaden
Bornhofenweg/Ecke Walkmühlestrasse, Wiesbaden

Didier Goupil:
Geboren 1963 in Paris, lebt in Toulouse. Autor, Dramaturg, Drehbuchautor und Lehrer.

Für sein erstes Werk, den Erzählband Maleterre (1995), erhielt er den Prix Thyde Monnier de la Société des Gens de Lettres und den Prix Cino del Duca.

„Le jour de mon retour sur terre“, eines der ersten Werke, das sich mit dem 11. September auseinandersetzte, fand sich auf der Titelseite von Monde des Livres und wurde u.a. von der New York Times, Le Point, Le Nouvel Observateur und l’Humanité besprochen.

Goupil: "Ich mag Bücher, die wie Visitenkarten sind. Meine Bücher sind ja immer sehr kurz, ja, da bin ich einverstanden", meint der Autor. Knapp einhundert Seiten hat der Roman, mit einer sehr lockeren Seitenaufteilung, wo auf manchen Seiten nur wenige Sätze stehen, wie kurze Prosagedichte.

Endstation Ritz: "Ein kleines Juwel, ein Diamant - Wahrhaftig ein sehr sehr schönes Buch ….… Eine Begegnung mit einem Autor, der bleiben wird.“ (France Inter)", schrieb der französische Kritiker Laurent Bonelli über Didier Goupils "Endstation Ritz" - im Original " Femme du monde".

Poetisch, eigenwillig und neben aller Eindringlichkeit immer wieder humorvoll, ist der Stil des in Frankreich bereits in der dritten Auflage erschienen Buches.

Goupil: "Es stimmt, dass das Buch nicht ein narrativer Block ist. Es ist zu einer Zeit entstanden, wo ich als Schriftsteller - auch wenn das paradox klingt - großes Misstrauen gegenüber Büchern hatte. Ich fand, dass in den Büchern zu viele Wörter waren, dass die Bücher zu dick waren, dass es überhaupt zu viele Bücher in den Geschäften gab, und ich träumte davon, ein ganz dünnes Buch zu schreiben. Wir haben vorhin scherzhaft von einem Visitenkarten-Buch gesprochen, ich träumte also von einem Buch, das so dünn wie eine Klinge wäre."

„Endstation Ritz“ (Haymon Verlag, 2008), wurde in Frankreich auch als Hörspiel bei France Culture umgesetzt und als Theateradaption beim Festival d’Avignon Off 2005 aufgeführt.

Die Inszenierung
Im Oktober wird das Wiesbadener ImpulsTheater diese zeitgenössische Geschichte aus Frankreich als Deutsche Erstaufführung auf die Bühne bringen.

Auch in diesem Jahr bringt das ImpulsTheater in einer Inszenierung das Erzähltheater mit der bildenden Kunst zusammen. Christiane Zerda, geboren 1913, führt gemeinsam Regie mit der viel jüngeren Susanne Schwarz, Gründerin und Regisseurin des seit 2001 in Wiesbaden ansässigen ImpulsTheaters.

Zerda ist fast so alt wie die Protagonistin von Endstation Ritz. Auch sie hat das 20. Jahrhundert erlebt: als junges Mädchen in Wuppertal, als Absolventin der Folkwang-Schule Essen, als Schauspielerin und Regisseurin. Seit 1950 lebt sie in Wiesbaden, wo sie zuletzt als Akkordeon spielende Helene in „Sommer vorm Balkon“ im Staatstheater Wiesbaden zu sehen war. Der Regie-Assistent der Produktion, Arne Schröder, studiert Literatur. Drei Generationen arbeiten an diesem Projekt.

Susanne Schwarz spielt und erzählt die Geschichte von „Madame“. Sie wird unterstützt von großformatigen Bildern der Malerin Ulrike Guminski-Reimann, die eigens für dieses Theaterstück angefertigt wurden. Diese Bilder – alle Porträts der Protagonistin - begleiten den Zuschauer durch das Leben dieser Frau, die, geboren am 1. Januar 1900, die Ereignisse des Jahrhunderts wachruft.

In kurzen, sprachlich verdichteten Szenen, erzählt Goupil das Leben von Madame. Schnörkellos, stellenweise ironisch, beschreibt Goupil damit die Geschichte des Jahrhunderts, das sich im bewegten Leben von Madame spiegelt. Ihr mondäner Lebensstil verhilft ihr dazu, sich häufig porträtieren zu lassen. Die fröhliche junge Frau, leidenschaftliche Kunstsammlerin, heiratet ihre große Liebe. Jedoch hat sie in dieser Ehe immer weniger zu sagen. Von ihrem Mann, einem Opportunisten, wird sie in den 40er Jahren an die Nazis verraten. Sie entkommt aus der Gefangenschaft und geht nach New York, trifft Peggy Guggenheim. Vom Trauma verfolgt, will sie sich das Leben nehmen. In Peggy's Galerie 'Art of the Century' begegnet sie der Malerei des Russen Mark Rothko. Seine neuartige Auffassung von Malerei, Farbe und Kunstbetrachtung weckt ihren Lebensmut. Die vermögende Frau kehrt nach Paris zurück, um ihre Vergangenheit zu verarbeiten. Niemand will ihre schicksalhafte Geschichte hören. Sie kann sich jeden Luxus leisten. Sie verbringt ihren Lebensabend verschwenderisch und weltabgewandt im Pariser Hotel Ritz. Hinter ihrem extravaganten Lebensstil versteckt sich jedoch eine einsame Frau, die betrogen und verraten worden ist. Oft blickt sie durch ihr Fenster auf das Treiben der Stadt.

Mit der freundlichen Unterstützung von:

Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden
Institut Français Mainz
Hessisches Ministerium für
Wissenschaft und Kunst
NASPA-Stiftung
in Kooperation mit dem Künstlerverein Walkmühle

Fotografin: Astrid Garth
einzelne Aufführungsfotos: Claudia Moch

Revue de presse de « Femme du monde » :

« … Il ne faut pas tenter de résumer ce récit étonnant, d’une parfaite originalité… Le lecteur mesurera combien la psychologie réduite à presque rien et tout le pathos évacué, une émotion pure peut naître… Une petite et très compacte réussite littéraire… »
P. Kéchichian, Le Monde

« … Un petit bijou, un diamant…C’est un livre qu’il faut offrir le soir, le samedi soir dans les assiettes avant que les invités arrivent…Vraiment c’est un très, très beau livre… Une rencontre avec un auteur qui restera. »
Laurent Bonelli, France Inter

« … Un récit magistral et, en dépit de sa noirceur, traversé de lueurs fulgurantes… »

Claire Julliard, Le Nouvel Observateur

« … Un récit d’une belle densité dramatique… Si le mot n’était pas galvaudé, on évoquerait un petit chef-d’½uvre… »

Guillaume Chérel, L’Humanité